OVERBOARD

Auf dem Weg zu einem neuen Musiktheaterprojekt

 

Gemeinsam mit der Kölner Komponistin Camille van Lunen entwickle ich zur Zeit ein neues Musiktheaterprojekt mit dem Titel OVERBOARD.

Hier haben wir erste Informationen zum Inhalt des neuen Werkes zusammengetragen.

 

Unser Projekt overboard basiert auf dem autobiographischen Bericht „Trawler“ des britischen Autors Redmond O’Hanlon, der sich für einen Törn im Winter und bei Orkan an Bord des Fischtrawlers Norlantean begibt. Camille van Lunen hat die persönliche Bekanntschaft des britischen Autors gemacht.

 

 

Libretto | Camille van Lunen und Roderick Shaw

Komposition | Camille van Lunen

Realisation | Martina Pfaff: Regie, Ausstattung, Licht

Besetzung | Bariton, Instrumental-Ensemble und „Publikum“ bzw. Mitspielende

Ort der Handlung | der Hochseekutter heute

Protagonisten | die Crew

Dauer | geplant 60 Minuten

 

Kurzinhalt 

  

Sie riskieren bei jedem Auslaufen ihr Leben, um für uns Fisch auf den Teller zu bringen; jedes Jahr sterben zahlreiche Seeleute alleine in britischen Gewässern. Der Schriftsteller Redmond fährt im Orkan auf einem Fischtrawler mit und erlebt den Kampf der Mannschaft mit den Elementen, das Ausgeliefertsein, die extremen Arbeitsbedingungen und den Ausnahmezustand, verursacht durch Schlafmangel und Kälte. In der aufgeheizten Stimmung schlägt Kameradschaft in blinde Aggression um. Eifersucht und ein folgenschweres Missverständnis kosten Luke, den jungen Wissenschaftler an Bord, das Leben  -  oder wird er überleben?

  

Der vermeintlich unpolitische Stoff entpuppt sich auf den zweiten Blick als brisant, denn das Zusammenleben auf engem Raum und in einer bedrohten Situation erfordert unbedingtes Zusammenstehen und Einstehen für einander. Das Überleben hängt unmittelbar davon ab, dass alle an einem Strang ziehen. Jeder ist verantwortlich für seine Mitmenschen. Nur gemeinsam, trotz aller Unterschiede, können alle überleben.

  

 

Die handelnden Personen und ihre Geschichten

 

Redmond | Mitte 50, Schriftsteller, Naturforscher, Journalist

Redmond ist ein klassischer Naturkundler und Abenteurer, wenn auch scheinbar im falschen Jahrhundert. Er wagt sich an die Grenze des menschlich Möglichen und setzt sich den elementaren Naturgewalten auf See aus. Kennzeichnend für ihn ist sein Humor, der ihm auch die Tür zu den Menschen, denen er begegnet, öffnet.

Redmond kommt von außen in eine abgeschlossene Gemeinschaft, eine eigene Welt auf einem Hochsee-Schiff; er lebt und arbeitet mit der Mannschaft, setzt sich denselben Gefahren aus und riskiert wie sie sein Leben auf einem Trawler zwischen Island und Schottland im Winter bei Orkanstärke, wo alle anderen Schiffe im Hafen bleiben. Allerdings ist Redmond freiwillig an Bord.

Als Ältester an Bord erlebt Redmond eine Welt, von der wir kaum eine Vorstellung haben: die Hochseefischerei mit Schleppnetzen. Wer noch nie selbst an Bord war, kann sich kaum in das hineinversetzen, was das Arbeiten und Leben unter so extremen Bedingungen mit den Menschen macht. Deswegen ist Redmond neugierig, risikobereit und hat den Forscherdrang, am eigenen Leib dieses Leben an der Grenze zu erfahren ohne sich zu schonen. So lernt er beispielsweise bei Orkanstärke, völlig übermüdet, durchgefroren und seekrank mit den Männern am Fließband zu stehen und den eingeholten Fang auszunehmen. Dabei öffnen sich die Männer und er lernt ihre Ängste, Tabus, den Aberglauben rund um das Leben an Bord kennen und wird Teil dieser „geschlossenen Gesellschaft“. 

 

Luke | bester Freund, Türöffner und Beschützer

Luke ist ein junger Wissenschaftler. Als Biologe arbeitet er über die Tiefsee-Fauna und -Flora und forscht seit Jahren auf Hochseeschiffen, um deren Fang mit Blick auf seltene Arten zu untersuchen. Er kennt diese Welt von klein auf und nimmt Redmond unter seine Fittiche. Er verschafft ihm den Zugang zu Kapitän Jason und vermittelt dem Schriftsteller dadurch die Möglichkeit, bei Orkan auf einem Schiff mit auszulaufen. Nur durch Luke ist Redmond in der Lage, dieses besondere Leben kennen zu lernen. Gleichzeitig hilft Luke ihm an Bord über seine Schwierigkeiten mit dem Seegang, der Übelkeit, dem Schlafmangel, etc. hinweg.

Luke hat gerade Ally kennen gelernt, befürchtet aber, sie wie alle seine früheren Freundinnen zu verlieren. “If you want to pick a really big girl, never say you work on a trawler” ist der Rat von Robbie, einem der Seemänner.

 

Jason | Kapitän, Anfang 30

Jason erklärt sich bereit, Redmond mitzunehmen und die Verantwortung für einen Unerfahrenen an Bord zu übernehmen. Als einziger läuft er bei Sturm aus, weil er immense Schulden hat im Zusammenhang mit Fischerei-Rechten und Fangquoten.

 

Seeleute | alle in ihren Zwanzigern

Die Mannschaft ist den Naturgewalten ausgesetzt, finanziell prekär und mit schwieriger werdenden Rahmenbedingungen (Klimawandel, Überfischung, Globalisierung) konfrontiert. Gleichzeitig tragen sie zur Zerstörung der Tiefseefauna bei.

Das Verhalten der Seeleute an Land ist häufig für Außenstehende unverständlich und geprägt von Gewalt, Schlägereinen, „Saufereien“, ohne dass Menschen an Land die Gründe hierfür (Schlafentzug, körperliche Grenzerfahrung, Todesnähe) nachvollziehen könnten. Die meisten von ihnen haben schon im Gefängnis gesessen, eine Zeit, die sie als Paradies beschreiben.

Kälte und Schlafentzug sind zentrale Erfahrungen, durch die die Menschen sich im Laufe der Tage an Bord fundamental verändern. Die Besatzung geht bei jedem „Trip“ durch verschiedene Stadien, die an tranceartige Zustände erinnern.

 

Es gibt bei der Schiffsbesatzung den Wunsch an Redmond als Schriftsteller, ihr Leben so zu beschreiben, dass ihre Frauen endlich verstehen, was draußen auf See mit ihnen passiert, „… so that the ones we fucking love, finally understand what happens out here“.

 

 

Themen des Stücks

 

    „huis clos“ | abgeschlossene, streng geregelte Gemeinschaft auf engstem Raum; gefährliches Leben, das eng zusammenschweißt, man muss sich aufeinander verlassen können, Ehrenkodex; „niemand, der es nicht erlebt hat, kann es verstehen“ (Wunsch der Mannschaft, dass Redmond über ihr „anderes“ Leben an Bord für ihre Frauen schreiben soll); die Abwesenheit von Frauen ist ständig Thema, aber auch Differenzen, Transsexualität (“The seabream, they can be female one minute and male the next. - What? And you let me eat it?”); Mangel an sozialem Leben außerhalb des Kutters; Eifersucht und ein Missverständnis führen in eine Katastrophe.

 

    Sozialdrama | Lebens- und Arbeitsbedingungen für die Seeleute, die hart für das Überleben ihrer Familien kämpfen.

 

    Allgegenwart des Todes | Kapitän Jason: „Wenn mein Ingenieur nicht gut ist, gehen wir alle unter. … We drown. It’s so simple, no argument, no bullshit. I like that a lot.”

  

   Naturgewalt und Schicksal | Kampf, Ohnmacht, ausgeliefert sein, Abhängigkeit von den Elementen ungeachtet aller technischer Entwicklungen und Innovationen; Kampf gegen die Gewalten bleibt archaisch und existenziell. Dieser Kampf erscheint mit dem Klimawandel nochmal in neuem Licht.

 

      Kleiner Mensch - große Maschine | gefährliche Arbeit: viele Unfälle werden durch die Maschinen an 

 

      Aberglaube | viele verschiedene Tabus, Worgde, Farben, Tiere, ... die auf Ängste verweisen.

 

    Umweltthemen | Überfischung und Fangquoten, Ausbeutung der Natur, Verschmutzung der Meere, Störung des Gleichgewichts.

 

     Gegensatz Meer-Land | das große, faszinierende Unbekannte, die Tiefsee; Menschen an Land, die keine Vorstellung davon haben.

 

      Humor des Autors und Galgenhumor der Mannschaft